Innovation wird seit jeher eingefordert – und dennoch erlebt das Thema gegenwärtig Hochkonjunktur: Denn der Digitale Strukturwandel stellt alte Geschäftsmodelle infrage, zwingt mindestens zur Anpassung oder macht diese im worst case zu Relikten der Wirtschaftsgeschichte. Unternehmen sind darum auf der Suche zum Erfolgsrezept für gelungene Innovation.

Ein Buch habe ich zu diesem Thema auf diesem Blog bereits vorgestellt (nämlich: Buchempfehlung: „Digitale Gewinner“ von Dr. Jens-Uwe Meyer), der Autor stellt hierin ein Tool vor, mit dem innerhalb eines Unternehmens das Ideenmanagement effizient gesteuert werden kann. Das nun vorgestellte Buch „Das Ende der dummen Arbeit“ fokussiert auf einen anderen Aspekt, nämlich auf Intrapreneurships, und zwar – das ist quasi das „Innovative“ an diesem Buch – aus der Perspektive der Angestellten, die selbst zur Eigeninitiative aufgefordert werden, ganz unabhängig davon, ob es formelle Intrapreneurshipprogramme der Unternehmen gibt oder nicht.

Zunächst ein Überblick: Der Instrumentenkasten für Innovation umfasst ja diverse Methoden und Ansätze. Im 19ten Jahrhundert entstand des betriebliche Vorschlagwesen, in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts wurden etwa Kaizen und Kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP) populär und fanden Verbreitung (die vorgenannten Methoden sind eher auf inkrementelle Verbesserungen ausgerichtet, nicht auf disruptive Innovationen). Manche Unternehmen richten Innovation Labs ein, andere setzen auf die Aktivierung aller Mitarbeiter mithilfe von Intrapreneurship-Programmen. Welche Methoden angewandt werden und wie diese ausgestaltet werden, sollte immer an der Unternehmenskultur ausgerichtet werden; die Methodik der Innovationsarbeit kann sich hierbei auch im Zeitverlauf verändern. Google etwa hatte über Jahre die Policy, dass Mitarbeiter 20% Ihrer Arbeitszeit (nämlich jeden Freitag) für eigene Projekte nutzen konnten. Diese Policy ist inzwischen abgelöst, Google generiert Innovationen auf anderem Wege. Aber es wird deutlich: Nicht nur das Entwickeln von Innovationen unterliegt einem Error-and-Trial Prozess, auch die prozessuale / organisatorische Verankerung von Innovationsmanagement in einem Unternehmen erfordert eine gewisse Portion Error-and-Trial Mindset.

Nun zum Buch. Der Autor führt zunächst in die Idee von Intrapreneurship-Programmen ein. Aus unternehmerischer Perspektive geht es um den eingangs erwähnten Innovationsdruck; aus Mitarbeiterperspektive geht es eben um „das Ende der dummen Arbeit“ oder – wie der Untertitel der Buch es ausführt – „Wie Du das Angestellter zu mehr Sinn, Geld und Freiheit kommst.“ Es gilt hierbei: Nicht jeder, der eine gute Idee hat (Innovator) bringt gleichzeitig das Zeug als beinharter Unternehmer mit; nicht jeder Innovator bringt die Risikobereitschaft mit, einen sicheren Job aufzugeben und sich in ein StartUp-Abenteuer zu stürzen. Nicht jede Idee lässt sich optimal auf der „Grünen Wiese“ (StartUp) verwirklichen, manche Geschäftsmodelle können profitieren von den Rahmenbedingungen eines größeren Unternehmens (bestehender Kundenstamm, Overhead-Dienstleistungen, FnE-Abteilung, etc.).

Kurz, der Autor verheißt den Thrill des Startups im Rahmen eines sicheren Jobs: „Ich will jungen Menschen, die von der Welt der Startups fasziniert sind, begründen, dass es manchmal besser, schneller und einfacher sein kann, das eigene Ding unter dem Dach eines Unternehmens durchzuziehen, als es mit einem eigenen Startup zu versuchen.“ (S. 15)

Der Autor Felix Plötz wägt unternehmerische Eigeninitiative im etablierten (Groß)Unternehmen ab gegen ein eigenes (Teilzeit- oder Vollzeit-)StartUp. Er führt den Leser methodisch an das Szenario „Intrapreneurship“ heran und stellt die richtigen Fragen: „Was würde es für dich im Alltag bedeuten, daran zu arbeiten und sie umzusetzen? Würde es dir Spaß machen, dafür vollen Einsatz zu bringen, die Idee vielleicht auch gegen Widerstände durchzusetzen und dich damit vielleicht eine ganze Zeit lang zu beschäftigen? Würde dir das mehr Spaß machen als deine jetzige Tätigkeit? Und bist du bereit, dafür noch mehr zu leisten als jetzt und sogar Überstunden zu fahren?“ (s. 94)

Der Leser erhält einen Crash-Kurs in „Startup-Thinking“. (1) Wie Du überhaupt auf eine Idee kommst, (2) Wie du beurteilst, ob sie auch funktioniert, (3) wie du sie in deinem Arbeitsumfeld entwickeln kannst und (4) wie du sie auf ihre Marktfähigkeit testest.“ (S. 92) Und bei alledem betrachtet der Autor Plötz die StartUp-Szene mit kritischem Blick (der Autor ist selbst erfolgreicher Unternehmensgründer): „Als Angestellter in einem Startup arbeitest du nicht für deinen eigenen Traum, sondern für den Traum eines anderen. (…) Trotz aller Verheißungen und trotz der tollen Atmosphäre sind Startups gleichzeitig oft Knochenmühlen mit endlosen Arbeitstagen, wenig Geld und einer enormen Unsicherheit.“ (S. 66)

Für Unternehmer bedarf das Thema Intrapreneurship eigentlich keiner weitschweifigen Vorteilsabwägungen. Der Autor zitiert in seinem Buch eine Unternehmerin, die eine Initiative (ohne formell bestehendes Intrapreneuership-Programm) klar unterstützt hat: „Und wenn jemand für ein Thema brennt, dann wäre ich als Unternehmerin ja dumm, wenn ich das nicht nutzen würde.“ (S. 19)

Kurz: Das Buch liefert einige interessante Impulse (für Unternehmer wie für Angestellte).

Viel Spaß beim Lesen!

“Das Ende der dummen Arbeit“ von Felix Plötz (Econ Verlag, 230 Seiten, 18 Euro).

Sebastian Zang
Author

Der Autor ist Manager in der Softwareindustrie mit internationaler Expertise: Prokurist bei einem der großen Beratungshäuser - Verantwortung für den Aufbau eines IT Entwicklungszentrums am Offshore-Standort Bangalore - Director M&A bei einem Softwarehaus in Berlin.