Proviant & Prämie ist ein Vergütungsmodell bei Softwareentwicklungsverträgen, das von dem Autor und IT Unternehmer Stefan Roock mitentwickelt wurde und in dem Buch Agile Verträge. Vertragsgestaltung bei agiler Entwicklung für Projektverantwortliche vorgestellt wird.

Es handelt sich dabei um eine Vertragsgestaltung der Kategorie "nutzenorientiert", heißt: Die Vergütung der Softwareentwickler (des Auftragnehmers) hängt im Wesentlichen vom Nutzen ab, den die entwickelte Software stiftet. Dieser Nutzen kann ganz unterschiedlich definiert sein; es kann sich um eine rein betriebswirtschaftliche Zielgröße handeln (etwa: ein Umsatzziel für eine APP) oder aber um eine Metrik aus dem Prozesscontrolling (etwa zeitliche Ersparnis von X Mannjahren oder maximale Zeit je Prozessdurchlauf von X Stunden). Dies bleibt den Vertragsparteien überlassen.

In diesem Vertragsmodell erhält der Auftragnehmer folglich eine Prämie, wenn der definierte Nutzen erreicht wurde. Der Auftragnehmer erhält aber als Grundlohn einen niedrigen Tagessatz, der jedoch nur den Selbstkosten entspricht, ohne Gewinnmarge. Die Zielsetzung dieser Vertragsgestaltung ist offensichtlich: Es geht um die Incentivierung zu einer engen, partnerschaftlichen Zusammenarbeit sowie darum, dem Auftragnehmer einen starken Anreiz zu geben, sich in das Geschäftsmodell bzw. die Prozesse des Auftraggebers einzuarbeiten.

In der Praxis müssen die Verträge so ausgestaltet sein, dass dem Risiko des Auftragnehmers, die Prämie zu verfehlen, gleichzeitig die Change gegenübersteht, die Prämie zu erzielen und damit einen Gewinn oberhalb der marktüblichen Gewinnmarge zu generieren. Proviant & Prämie zusammengerechnet sind mithin höher als dies bei einem reinen Festpreis der Fall wäre.

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Sebastian Zang
Author

Der Autor ist Manager in der Softwareindustrie mit internationaler Expertise: Prokurist bei einem der großen Beratungshäuser - Verantwortung für den Aufbau eines IT Entwicklungszentrums am Offshore-Standort Bangalore - Director M&A bei einem Softwarehaus in Berlin.