Wer Inspiration, Orientierung und Zukunftslust für die Digitale Transformation im eigenen Unternehmen sucht, der ist hier goldrichtig: Ich war da, die Digital X macht einfach Spaß. Wer in 2019 bereits auf der hub.berlin war, kann sich schnell orientieren, denn das Veranstaltungsformat ist fast identisch – darum nicht weniger interessant: Umfangreiches Speaker-Programm auf verschiedenen Bühnen, StartUp-Pitches, zahlreiche Aussteller, eine Veranstaltungs-APP für das Networking zwischen den Teilnehmern und viele Messestände von StartUps und etablierten Unternehmen rund um Digitale Transformation. Alle Themen werden abgedeckt von Künstlicher Intelligenz, Internet der Dinge, 3D-Druck, VR, AR, Digitaler Zwilling, Autonomes Fahren und mehr.

Einige wesentliche Unterschiede zwischen beiden Veranstaltungen: Während die hub.berlin eine europäische Zielgruppe anstrebt, fokussiert die Digital X ganz klar den deutschen Mittelstand, die Vorträge sind fast ausschließlich in deutscher Sprache. Weiterer Unterschied: Die Berliner Veranstaltung (Ausrichter: bitkom) hatte etwa 8.000 Besucher, die Kölner Veranstaltung (Ausrichter: Telekom) ca. 20.000.

Ein starker Auftakt zur Veranstaltung war ganz klar der Keynote Vortrag des Telekom-CEO Timotheus Höttges; er ist eine Persönlichkeit mit Charisma und einer überzeugenden Ausstrahlung von Integrität. Es macht Spaß ihm zuzuhören. Thematisch hat Höttges zunächst den Rückstand Europas gegenüber USA und China in der Digitalisierung ausgeleuchtet, ein Themenkomplex, den er bereits auf der Keynote bei der hub.berlin behandelt hat (vgl. hub.berlin 2019: Themenschwerpunkt Europas Digitalisierung). Aber diesmal geht er einen Schritt weiter und formuliert Forderungen an die Politik. Diese reichen von wettbewerbsrechtlichen Überlegungen auf europäischer Ebene (Europäisches Wettbewerbsrecht führt aktuell zu einer Zersplitterung der Unternehmenslandschaft) bis hin zur Forderung nach Sprung-Innovationen im geschützten Raum. Überhaupt bekennt sich Höttges zu einem gewissen Maß an politischer Einmischung. Das sei nötig. „Die meisten Menschen sind komplett überfordert mit der Komplexität, in der wir leben“, erklärt Höttges und warnt, man könne nicht einfach davon ausgehen, dass irgendwer schon das Richtige tun werde.

Höttges ist ein leidenschaftlicher Europäer, das nimmt man ihm ab. Und er setzt auch keineswegs einfach auf Politik, sondern agiert im Rahmen des heute bereits Möglichen. Mag er zu Beginn des Vortrags noch belegt haben, wie klein sich die Deutsche Telekom im globalen Maßstab neben den Big Playern aus den USA und China ausnimmt, so gibt er sich kampfeslustig und verweist auf den Telekom Smart Speaker, der es mit Echo von Amazon und Googles Assistant aufnimmt. „Wir versuchen es wenigstens“, erklärt Höttges. Er verweist auch darauf, dass sich die Telekom bei dem Projekt Gaia-X beteiligt, der europäischen Cloud. Ganz im Sinne von Error-und-Trial schiebt er vorsichtig nach: „ob wir überall erfolgreich sind, das weiß ich nicht“. Die Telekom gibt sich kampfeslustig, das macht Höttges klar. Starker Vortrag.

Die Veranstaltung bietet umfangreiches Anschauungsmaterial und Vorträge zu allen Themen der Digitalisierung, nur einige seien hervorgehoben. Im Bereich Spracherkennung / Sprachanalyse sticht das Startup 100 Worte, eine überzeugende Anwendung rund um „Psychological AI“, die den Praxistest bereits bestanden hat. Auch die Telekom selbst stellt ihre Entwicklung im Bereich Spracherkennung / Chatbots vor, in einem exzellenten Vortrag von Jan Morgenthal, der die Entwicklung der „Conversational AI“ geleitet hat; hier wurden bis dato bereits 1,7 Mio. Kundenanfragen rund um Rechnungen, Störungen und Ähnliches erfolgreich (!) gelöst. Dieser Service entlastet damit bereits spürbar die Hotline, interessant: allein 14 Millionen Sessions sind nur gelaufen, weil Interessierte einmal ausprobieren wollten, was diese Lösung bereits alles kann. Morgenthal macht auch klar, dass viele Lösungen im Markt mit dem Label „KI“ keineswegs KI-basiert arbeiten, sondern eher regelgesteuert, programmiert. Er schätzt die Anzahl auf StartUps, die in diesem Bereich mit „echter“ KI arbeiten auf etwa 30 – in ganz Europa.

Ein Besuch auf der Digital X lohnt sich.

Sebastian Zang
Author

Der Autor ist Manager in der Softwareindustrie mit internationaler Expertise: Prokurist bei einem der großen Beratungshäuser - Verantwortung für den Aufbau eines IT Entwicklungszentrums am Offshore-Standort Bangalore - Director M&A bei einem Softwarehaus in Berlin.