Das Buch vom Autor Frank Schmidt hat einen vielversprechenden Titel: „Die Analyse- und Definitionsphase beim Software Engineering – Geschäftsprozessanalyse mittels Entity-Relationship-Modellierung für Lasten- und Pflichtenhefte“. (igel Verlag, 78 Seiten, 45 EUR). Um es vorweg zu nehmen: Es ist rätselhaft, wie dieses Buch bei den Stichworten „Software Pflichtenheft“ auf Platz 1 der Rangliste in Amazon landet. Man dürfte dem Autor mit einem solchen harschen Urteil auch kaum zu nahe treten, denn (das ergibt sich nach kurzer Recherche) das Buch entspricht bzw. basiert auf einer Diplomarbeit. Zugegeben: am Maßstab einer solchen Abschlussarbeit ist der Text ok, das Buch eignet sich allerdings als Ratgeber für den Unternehmensalltag überhaupt nicht. Kapitel wie „Die volkswirtschaftliche Bedeutung von KMU in Österreich“ wirken seltsam deplatziert.

Das Buch geht zunächst von treffenden Kernthesen aus, nämlich: „Es wird anerkannt, dass ein Scheitern eines Softwareprojektes zum größten Teil bereits in der A&D-Phase [Anm. d. Red.: „Analyse- und Definitionsphase] verursacht wird. So sollten ca. 60% des Gesamtrisikos bei der Softwarebeschaffung auf unzureichende oder fehlerhafte Anforderungsdefinitionen entfallen (vgl. GRUPP 1999, 28).“ Im Text werden nun diverse Zahlen für den Anteil gescheiterter IT Projekte genannt, etwa 25% (Marktuntersuchung des IT-Beratungsunternehmens Diebold) oder gar 50% (Universität Dublin). Und: „Die britische Child Support Agency verlor durch den Abbruch eines Projektes 1997 allein 600 Millionen Pfund.“

Der Autor stellt schließlich Verfahren der Geschäftsprozessanalyse vor für ein Industrieholzunternehmen. Es werden die gängigen Symbole in einem Vorgangsketten-Diagramm vorgestellt, schließlich auf einem Dutzend Seiten Geschäftsprozesse für verschiedene Funktionsbereiche im Unternehmen (weitgehend unkommentiert) dargestellt. Im Anschluss hieran folgt das Lasten- und Pflichtenheft für die Auswahl eines ERP-Systems. Nun wird der Leser ins Entity-Relationship-Modell eingeführt, denkbar knapp: „Als datenstrukturierter Modellierungsansatz werden mit dem ER-Modell Beschreibungen des realen (wahrgenommenen) Systems aus Sicht der für die jeweiligen Betrachtungsbereiche relevanten Objekte und deren Beziehungen in einem konzeptionellen Datenmodell konstruiert.“ Dazu Wikipedia im Vergleich: „Das Entity-Relationship-Modell (kurz ER-Modell oder ERM; deutsch etwa Objektbeziehungsmodell, diese Bezeichnung wird aber selten benutzt) dient dazu, im Rahmen der semantischen Datenmodellierung einen in einem gegebenen Kontext, z. B. einem Projekt zur Erstellung eines Informationssystems, relevanten Ausschnitt der realen Welt zu beschreiben.“

Spätestens bei den Screenshots für die Bildschirme wird der für das Betriebssystem Windows XP (ab 2001) typische Startbutton erkennbar. Das Buch ist völlig outdated.

Sebastian Zang
Author

Der Autor ist Manager in der Softwareindustrie mit internationaler Expertise: Prokurist bei einem der großen Beratungshäuser - Verantwortung für den Aufbau eines IT Entwicklungszentrums am Offshore-Standort Bangalore - Director M&A bei einem Softwarehaus in Berlin.